Summer Dreaming
Erste Eindruecke aus Thiès

Nashorn und Ich

Am Strand

Muellwaeldchen

Auf dem Markt

31.12.08 19:49


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Car Rapide

Ich bin gestern tatsaechlich nicht um das Buschtaxi herumgekommen.

Tausend Mal erklaerte mir Ute also, wie das Hoellengefaehrt funktioniert:

An den Strassenrand stellen, winken, einsteigen, bezahlen (nicht zu viel und immer passend) und wenn man aussteigen will, klopfen.

Die erste Huerde war, zunaechst einmal die "Station" zu finden, an der die Car Rapides angehalten werden koennen. Die liegt ungefaehr zehn Gehminuten von der Stiftung weg - eigentlich nicht weit. Natuerlich fragte ich trotzdem jeden, der an mir vorbeikam, ob ich noch auf der richtigen Strasse sei und jeder erklaerte mir, dass die Station viel zu weit sei, als dass ich bis dorthin laufen koennte.

Faule Afrikaner.

Als ich endlich an der richtigen Strasse stand traute ich mich erst nicht, einfach so zu winken; tat es dann aber doch und stieg in das Car Rapide.

Als einzigie Toubab, Weisse, wurde ich erstmal doof angeguckt. Ob denn mein Auto kaputt waer, wurde ich gefragt. Nein, meinte ich selbstbewusst, ich fahre IMMER mit dem Car Rapide, und sass ganz eingeschuechtert auf der kleinen Bank und betete, dass ich die Fahrt ueberleben wuerde.

So eine Fahrt mit dem Car Rapide KANN aber natuerlich fuer einen Tollpatsch und Pechvogel wie mich gar nicht gut gehen und natuerlich war ich in das falsche Car gestiegen und kurvte irgendwo durch Dakar.

Ich stieg also aus und nahm ein Car in die entgegengesetzte Richtung, sodass ich wieder an der Stiftung war. Es waren etwa 50 Minuten vergangen.

Aber, irgendwie musste ich ja nach Hause kommen, und da auch Simone immer mit dem Ca rRapide gefahren ist und das ja "so toll" fand, konnte ich natuerlich nicht kapitulieren und einfaach fuer zwei Euro ein Taxi nehmen. Wie peinlich!

Ich stellte mich also hin und winkte das naechste Car heran. Dieses Mal fragte ich vorher, ob es denn nach Njari Tally, mein Quartier, oder zum Jet d'eau, ein nicht zu weit entfernter Kreisverkehr, fahren wuerde.

Leider sprach niemand der Passagiere so gut franzoesisch, dass ich ihn haette verstehen koennen und ich nahm einfach an, dass es das richtige Car war, da die Leute mich sonst sicher irgendwie anders darauf aufmerksam gemacht haetten.

Irgendwann stubste mich dann ein Mann mit glasigen Augen an und sagte, ich muesse hier aussteigen. Aus Angst ihm zu widersprechen, stieg ich aus und siehe da: ich war tatsaechlich auf meiner Strasse.

Blieb nur noch das Problem, die richtige Abzweigung zu erwischen. Ich schlenderte also die Strasse entlang und schaute mir alles ganz genau an, in der Hoffnung, ich wuerde IRGENDETWAS wiedererkennen. Ich erkannte wirklich hier und da ein paar mir bekannte Flecken aber fand einfach die Strasse nicht, in der mein Haus steht.

Zitternd lief ich also ueber den Staub von Strasse und war offensichtlich perdu, hatte mich verlaufen, was einem ganz schoen Angst machen kann in so einer Stadt. Ich sagte mir  immer wieder, dass ich ja schon gross bin und jetzt nicht weinen braeuchte und ich dieses doofe Haus IRGENDWANN finden MUESSE. Inzwischen waren etwa 70 Minuten vergangen.

Nach ueber eineinhalb Stunden stand ich dann endlich voellig fertig und verschwitzt in meiner Haustuer und musste mich erstmal hinlegen und gaaaanz tief durchatmen.

31.12.08 12:13


Gerüche

Gestern abend, als ich so in meinem breiten Bett mit Moskitonetz lag, musste ich nochmal über Gerüche nachdenken.

In meinem ersten Eintrag habe ich versucht, die Gerüche hier zu beschreiben und festgestellt, dass es unmöglich ist. In den letzten Tagen ist mir aufgefallen, wie viele Gerüche sich hier zu einem vermischen und dass es deshalb so schwierig ist, sie zu beschreiben.

Tatsächlich habe ich nun schon öfters die Gelegenheit gehabt, die Gerüche getrennt voneinander zu erschnüffeln und habe festgestellt, dass jeder Geruch für eine Charaktereigenschaft dieses Landes (Kontinents?) zu stehen scheint, sowohl für die positiven, als auch für die negativen.

Gestern lernte ich jedoch vor allem mal wieder den der Gastfreundschaft kennen. Nachdem mein erster Arbeitstag eher langweilig war, saß ich bereits um 17h bei meiner Gastfamilie, deren Straße ich zum ersten Mal bei Tag sah.

Drei Stunden gammelte ich herum, ohne, dass man mich scheinbar beachtete und war schon ganz verzweifelt und kurz davor, in Tränen auszubrechen. Fatou, eines der Mädchen (Tochter? Schwester? Nichte? Mutter?) ging schließlich mit mir los, um mir eine Puce, eine Simkarte, zu kaufen und mir das Internetcafé zu zeigen.

Auf unserem Weg bemerkte ich, dass vor meiner Haustür tatsächlich Ziegen "grasen" bzw. Müll fressen, da es kein Gras gibt und schräg gegenüber eine Moschee steht, deren Muezzin mich heute morgen um 6h aus den gemütlichen Federn riss. Mal wieder hörte ich mir an, wie toll meine Vorgängerinnen waren. Wie gut sie sich angepasst haben und wie toll sie mit der Familie umgegangen sind.

Mann, kann ich nicht irgendwo mal die Erste sein?

Gegen 21h gab es dann endlich Essen, zudem ein Mann (Bruder? Vater? Schwager? Onkel? Opa?) mit seiner deutschen Frau erschien und mein social networking begann. Der Mann nämlich ist Journalist bei einer Dakarer Zeitung und erklärte mir nicht nur die Probleme des Mediensystems Senegal sondern auch, dass ich jederzeit anrufen könnte, wenn ich Fragen hätte.  

Heute morgen musste ich schließlich zum ersten Mal mit dem Car rapide, dem Buschtaxi, durch Dakar zur Arbeit fahren, nicht ganz allein zum Glück, da ich mich auf jeden Fall verlaufen hätte. Hier sieht einfach alles gleich aus, mal abgesehen davon, dass manche Straße geteert sind und andere nur aus Staub bestehen.

Das Buschtaxi an sich ist eine gruselige Erfindung: Man steigt ein und hofft, dass man überlebt und die anderen Leute bei einer Bremsung (wenn es denn Bremsen hat) nicht auf einen drauffallen.

Der arbeitstag war bisher relativ sinnlos, da die Stiftung zur Zeit unter Bauarbeiten zu leiden hat. Ich schnappte mir deshalb den Ordner mit Jahresberichten und las im Garten unter Mangobäumen. Man könnte fast neidisch werden und anfangs war es wirklich schön, bis der Wachhund kam und seine Schnauze auf meinen Schoß legte. Ich kraulte ihn also hinter den Ohren und plauderte eine Zeit lang mit ihm, bis er mich plötzlich biss.

Okay, es war kein wirkliches Beißen, eher ein Knabbern und Ziehen und Zerren an meiner Kleidung, sodass ich schließlich richtig Angst bekam und langsam wieder ins Haus schlich, den Hund immer noch an meiner Hose hängend und an mir hochspringend. Ich glaube, er wollte mich zärtlich begatten. Ieh.

Jetzt sitzen Ute und ich im Goethe Institut, da unser Internet leider nicht funktioniert und wir ohne scheinbar nicht arbeiten können. Da ich noch nichts zu arbeiten habe, sitze ich hier und tue nichts und warte darauf, mit dem Car Rapide zurückfahren zu müssen, dieses Mal ganz allein...

 

30.12.08 14:52


Eigentlich ist Senegal ein flaches Land...

…und fast könnte man denken, ich hätte mir dieses Fleckchen Erde mit Absicht ausgesucht. Trotzdem hatte ich heute kein Glück, die leere, öde Weite zu bewundern, denn wir fuhren ans Meer und an den Strand, zum Baden und zum Wandern auf den Klippen. Ute, meine KAS-Cheffin, erklärte mir auf der Hinfahrt voller Stolz, dass Senegal zwar ein komplett flaches Land sei (und mein Herz machte einen Sprung), wir heute aber auch mal in die EINZIGE hügelige Region dieses wunderschön platten Landes fahren. Dass sie mir, dem alten Bergmuffel, damit keinen besonderen Gefallen tat, konnte sie natürlich nicht wissen und es ihr sagen konnte ich natürlich auch nicht (vor allem, als sie erzählte, wie sehr sie die Berge eigentlich liebt). Nicht, dass ich irgendwie Wanderschuhe dabei gehabt hätte – denn so was braucht man in einem so schönen flachen Land eigentlich nicht. Nicht, dass ich überhaupt im Besitz von Wanderschuhen wäre und mir allein der Gedanke, ich könnte eines Tages den vagen Wunsch verspüren, mir freiwillig Wanderschuhe zulegen wollen, schon suspekt erscheint, geschweige denn, dass ich wüsste, wo ich so absurdes und komplett außerhalb meines Universums und mir nur schemenhaft bekanntes Schuhwerk überhaupt erstehen könnte. Deshalb bekam ich kurzer Hand ein fremdes Paar Schuhe geliehen und konnte losstampfen.

Tatsächlich war der Blick von oben – wenn man denn erst mal dort angekommen war – schön und weit und afrikanisch, auch wenn am Horizont eine große Zementfabrik in die Luft ragte und der Boden von Plastikflaschen, Dosen und anderem Müll übersäht war – die wahrscheinlich weniger romantische Seite Afrikas.

Der Tag ging so schnell rum, dass ich nun wieder auf dem Sofa in Utes Haus sitze und mir vollgefressen die Mücken vom Leib halte, die mich trotz Mückenschutz gut und gerne anknabbern. Morgen früh gibt’s dann ausnahmsweise kein Ausschlafen: den afrikanisch-katholischen Gottesdienst einer nahegelegenen Kirche lasse ich mir nicht entgehen.

28.12.08 22:27


Der bunte Kontinent...

…ist gar nicht schwarz. Das zumindest habe ich heute gelernt, als wir mit einem gemieteten Taxi in Richtung Süden zur Ile de Coquillage, also Muschelinsel gefahren sind. Es war unglaublich: Thiès, moderne Stadt, wechselte zu Einöden mit einfachen Holzhütten, die Leute mal in Jeans, mal in bunten Gewändern, die Frauen mit Babys auf dem Rücken und großen Töpfen auf dem Kopf – auf der Autobahn versteht sich. Baobabs – Affenbrotbäume – wohin das Auge reicht, alles grün, gelb, braun, bunt. Meine Begeisterung hielt jedoch nur bis zu dem Moment, als ich zum ersten Mal senegalesische Korruption zu spüren bekam: Ein Polizist hielt unseren Fahrer an und erklärte ihm, er dürfe keine Touristen herumfahren, da er keine Genehmigung dafür hätte. Ein Witz, wenn man  das Auto kennt, in dem wir rumgefahren sind: die Windschutzscheibe mit tiefen Rissen durchzogen, die Türen halboffen, das Polster zerrissen, keine Gurte, keine Spiegel, kein Blinker. Trotzdem bestand der Polizist nur auf die Genehmigung, sodass wir rechts ranfahren mussten und der Fahrer wild mit dem dreisten Polizisten den Korruptionspreis ausdiskutierte, jedoch plötzlich wieder losfuhr. Was war geschehen? Nun, unser Fahrer war genau so dreist, wie der Polizist: Er hatte diesem klargemacht, dass er uns in einem Dorf zwei Kilometer weiter rauslassen würde und dann zurückkäme, um die Strafe zu zahlen – was er natürlich nie vorhatte. Den Polizisten sahen wir nie wieder. Dafür kamen wir relativ bald am Meer an und sahen schon von weitem die Muschelinsel, zu der wir in einer Pirogue übersetzten. Eine Insel ganz aus Muscheln gebaut mit einem Friedhof mit sowohl christlichen, als auch muslimischen Gräbern und weißen Kreuzen darauf. Seit Jahrhunderten kamen die Leute zu dieser ursprünglich winzigen Insel, um hier das Muschelfleisch aus den Schalen zu puhlen und diese dann auf der Insel liegen zu lassen, bis sie aussah wie heute. Auf dem Rückweg vom Meer machten wir schließlich noch einen besonderen Halt: Eine Erkundungstour durch das Tierreservat von Bandia, ebenfalls ein Ort in der Nähe von Thiès. Für etwa 15 Euro pro Person mieten wir chauffeur, guide und Auto und losgings durch ein riesengroßes Areal voll von kleinen roten Äffchen, Schildkröten, Nashörnern und Zebras, die gemütlich nur ein paar Meter von uns entfernt grasten oder faulenzten – ein ganz anderes Gefühl, als in einem Zoo und fast hätte ich die Babyschildkröte, die ich in der Hand hatte, mitgenommen. Hier konnte ich zum ersten Mal wirklich afrikanische Landschaft entdecken: ganze Baobabwälder, Wasserlöcher, trockene Gräser und sattes Grün – fast wäre ich mal wieder in Tränen ausgebrochen, so schön war es. Buntes Afrika.

27.12.08 00:13


Der schwarze Kontinent...

…konnte am Donnerstagabend gar nicht schwärzer sein: Kein einziges Licht war vom Flugzeug auszusehen, Marokko, Mauretanien, Senegal; alles schwarz und dunkel, bis auf ein paar schwache Lichtquellen, von denen ich mir vorstellte, sie kämen von Lagerfeuern in der Wüste. So viel zu meinen romantischen Vorstellungen von Afrika.

Als ich schließlich aus dem Flugzeug stieg, konnte ich zuerst einmal kaum glauben, wie warm es war – und wie gut es roch, sodass ich zuerst einmal fast lachen musste, denn, als ich Mulu einmal erklärte, dass er so gut nach Afrika riechen würde, lachte er mich nur aus und auch zu Pariser Zeiten wurde über den angeblichen Afrikageruch, der sich dorthin teilweise verirrt hatte, nur geschmunzelt. Tatsächlich gibt es diesen Geruch doch, weit weg von Paris oder Mannheim, dafür umso intensiver. Es riecht warm und laut, nach Chaos und Farben, süßlich und derb, es riecht nach Dingen, die gar nicht riechen können, und die man trotzdem sofort herausriecht, aber vor allem riecht es nicht fremd. Fremd waren mir jedoch vor allem die 10 Kofferträger, die auf mich zustürmten, nachdem ich das Flughafengebäude verließ und die mir meine Koffer einzeln aus den Händen gerissen hätten, hätte ich mich nicht schon während des Fluges mit einem Senegalesen angefreundet, der die Kofferträger wegschickte und mir half, den Fahrer von der KAS zu finden, der in Begleitung eines – nach was wohl? – Kofferträgers erschien. Es sei sein Sohn, erklärte er mir und nahm mir all mein Gepäck ab, während eben dieser Sohn mir den Laptop aus der Hand riss und mir erklärte, ich müsse ihm „quelques petits billets“, ein paar kleine Scheine, geben. Wofür? Natürlich, um einen Anteil der Fahrt zu bezahlen, was natürlich völliger Schwachsinn ist, da die Fahrt von der KAS bezahlt wird. Ich gab ihm trotzdem 2 Euro, schon allein dafür, dass er mir meinen Laptop nicht geklaut hat und sein Vater mich schließlich noch heil durch das Land fahren sollte.

Zu aller erst ging es dann zu meiner neuen Gastfamilie, um mein großes, sperriges Gepäck abzustellen und mein Zimmer zu begutachten. Ich hatte wirklich Angst vor dem, was mich dort erwartete; ein kleines, dreckiges Zimmer mit Kakerlaken, ein Plumpsklo, alles wäre möglich gewesen. Tatsächlich ist mein Zimmer mehr als schön, wenn auch sehr spärlich eingerichtet: es besteht aus einem großen Bett und zwei Nachttischen und gleich nebenan einer richtigen Toilette mit Dusche. Erleichtert ließ ich also meinen Rucksack stehen und sagte meiner Familie Bonjour, die scheinbar nicht vollzählig war. Man stellte mir zwei Omas, die Mutter und die Tochter vor und erklärte mir, dass ich bestimmt bald Wolof sprechen würde. Für lange Willkommengrüße war allerdings keine Zeit: Der Fahrer erklärte mir, wir müssten schnell los, da noch ein weiter Weg vor uns liegen würde und los ging es wieder, erst durch Dakar, wo so viele Menschen unterwegs waren, wie am Kölner Karneval, und schließlich durch die Einöde 70km bis nach Thiès. Hier empfing mich schließlich Ute, meine Cheffin, die mir sofort das Du anbot und die es bis jetzt schon geschafft hat, mein Feindbild von der KAS um einiges zu verbessern. Ich wohne jetzt bis Montag hier in ihrem Haus, mit ihren beiden Söhnen und ihrem senegalesischen Mann Jacques, dazu noch ihrer Freundin Tanja und deren Tochter Della, die ihre Freundin Valezka mitgebracht hat und Manuel, der auch irgendwie dazugestoßen ist und die mich morgen auf eine Safari mitnehmen werden. Bis dahin brauche ich aber erst mal eine Menge Schlaf…!

26.12.08 00:12


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