Summer Dreaming
Silvester ŕ la sénégalaise

Und, was gab es bei euch gestern leckeres zu Essen?

Tja, bei mir gabs Huehnermagen, eine leckere Spezialitaet, bei deren Zubereitung ich nur mit einem flauen Gefuehl im Magen zusehen konnte. Die kleinen Maegen sind bei der Schlachtung noch immer mit leckeren Koernern gefuellt und voll von Fett. Eine leckere Spezialitaet.

Am Vormittag konnte ich mir ausserdem ein Bild davon machen, wie die leckeren Innereien verkauft werden. Mit etwa 8 Euro ging ich auf den Markt, auf dem es so ungefaehr alles gibt, was man will und auch, was man nicht will. Zum Beispiel Huehnermaegen, ausgetrocknete Fischkoepfe und verfaulte Tomaten, aber auch Schmuck, Schuhe und Shampoo.

Wenn auch die Auswahl an vergammeltem Gemuese groesser war, als die Auswahl an Schmuck, liess ich es mir natuerlich nicht nehmen, mit meinen 8 Euro so richtig zu shoppen.

Zuerst stoeberten wir also in einem Stoffladen, der, wie Ute mir erklaerte, vor allem produits locals verkaufte, wobei wir beim ersten gravierenden Problem Senegals sind, denn selbst ein Laden, der sich dafuer ruehmt, vor allem lokal produzierte Waren zu verkaufen, ist voll gestopft von Importen aus China, Taiwan und Thailand, obwohl die senegalesischen Stoffe sehr viel schoener und bunter und angenehmer auf der Haut sind.

Auch in den Supermaerkten faellt dieses Phaenomen mehr als auf: In den Regalen stehen Prinzenrolle, Marseillaise-Seife und Evian-Wasser - alles importiete Ware. Senegal ist damit total abhaengig vom Import aller moeglichen Laender und stellt nichts selbst her ausser Erdnuesse, von denen man nun aber auch nicht endlos viele benoetigt und die an jeder Strassenecke kandiert oder gesalzen verkauft werden. Deswegen ist eines der Anliegen der KAS, ein Bewusstsein fuer das sogenannte Consommer Local zu schaffen, den Leuten zu erklaeren, warum sie einheimische Produkte kaufen sollen und keine importierte Ware. Leichter gesagt, als getan, vor allem, wenn die einheimischen Produkte teilweise von schlechterer Qualitaet oder teurer sind.

Mit meinem Stofffetzen gings dann weiter zum Gemuese, das hier einfach auf Decken ausgebreitet im Dreck herumliegt und nicht immer besonders appetitlich aussieht.  Auf den Decken sitzen dann kleine Kinder, die an den Bohnen lutschen, die spaeter verkauft werden, wobei man sich fragt, fuer wen das ganze ekliger ist: fuer das Kind oder den Kaeufer.

Wir kauften schliesslich Kartoffeln, Gurken, Petersilie, und und und zum Essen und shoppten schliesslich noch ueber die Schuhstrasse, wo es auch Schmuck zu kaufen gab, was ich mir natuerlich nicht zweimal sagen liess. Ich kaufte also drei Ketten und zwei Armbaender fuer nicht mal 1,50€, ein echter Witz.

Auf dem Weg nach Hause entdeckte ich schliesslich endlich auch einen "Stand" mit beurre de karité, in Deutschland auch bekannt als Shea Butter, die hier in Kilos zu Spottpreisen verkauft wird und mit der hier alles (!) gemacht wird: Afrikas Heilmittel fuer (fast) alles.

Ich kaufte also etwa 100g hundertprozentige Shea Butter fuer umgerechnet 20 Cent. Wer in Deutschland eine Ceme mit 50% Shea Butter zum Beispiel bei Body Shop kauft, bezahlt sich bloed!

Zu Hause angekommen (den Weg gingen wir nicht zu Fuss, sondern traten ihn in einer kleinen rostigen Kutsche mit halbtotem Pferd an) bereiteten wir das Abendessen vor. Ich kuemmerte mich um den Salat und musste fast schreien, als mir eine dicke gruene Raupe aus der Paprika entgegenschleimte.

Nur Ute freute sich ueber diesen unerwarteten Besuch und riss mir die Paprika aus der Hand, um das Wuermchen zu bewundern: Immerhin ein Beweis dafuer, dass die Paprika mehr oder weniger biologisch angebaut sei. 

Am Abend kamen dann sechs Gaeste, wovon zwei kleine Kinder waren, die einfach nur zum Knuddeln waren.

Der Abend verging mehr oder weniger schleppend, ich war totmuede, obwohl ich nachmitttags extra noch geschlafen hatte, frass mich so dahin und half um Mitternacht ein paar Raketen anzuzuenden.

Dass ich an Silvester wegen der Hitze kurze Hose und T-shirt anhatte, fiel mir gar nicht wirklich auf, obwohl ich feststelle, dass Silvester bei warmen Temperaturen um einiges angenehmer ist.

 

1.1.09 14:12
 


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