Summer Dreaming
An der Mauretanischen Grenze

Gestern, als ich ganz unverhofft in Utes Wohnzimmer sass, klingelte ploetzlich das Telefon.

Ndella, die Tochter von der Freundin von Ute, die auch Weihnachten schon hier war und gerade einen Schueleraustausch mit Dakar macht, war am Apparat und fragte mich, ob ich nicht Lust haette, die Bande mit nach St. Louis zu begleiten.

Was fuer eine Frage, KLAR hatte ich das! Schliesslich ist St. Louis die ehemalige Hauptstadt zu Kolonialzeiten Westafrikas und nicht nur in meinem Reisefuehrer als unbedingt sehenswert angepriesen, sondern auch noch Weltkulturerbe, gelegen auf der Grenze zu Mauretanien.

Um 16h etwa ging es los in den Norden. Eingequetscht sassen Ndella, Valezka, ihre Freundin aus Deutschland, und ich auf der Rueckbank, mampften Mandarinen und freuten uns auf St. Louis, die angeblich so tolle Jugendherberge und den Vogelpark, den wir uns ansehen wollten.

"Mitten in der Nacht", das heisst gegen 19:30h und nach einer erneuten Polizeikontrolle, kamen wir schliesslich an und ich war zumindest von der Jugendherberge enttaeuscht: Wer auch immer sie uns empfohlen hatte, er wollte uns scheinbar verarschen - oder war zu Kolonialzeiten dort. Bis auf uns lungerten nur noch einige sehr uebelriechend aussehende Europaeer dort herum, dick, verschwitzt und lange fettige Haare.

Eigentlich sahen sie aus wie ich.

Nachdem wir uns mehr oder weniger haeuslich eingerichtet hatten, zogen wir los auf der Suche nach Essen. Tanja, Ndellas Mami, wollte Fataya essen. Was auch immer. Pummel-Alena entschied sich fuer Pommes, die nach etwa eineinhalb Stunden auf dem Tisch standen. Ganz schoen nervig.

Trotzdem konnte man bei unserelm Nachtspaziergang schon erahnen, mit was fuer einer schoenen Stadt wir es zu tun hatten: Sie besteht nur aus Haeusern im Kolonialstil, falls man das so nennt und leuchtet in allen Farben - und am Ende jeder Gasse das Meer.

Bei Tag sah das ganze dann leider weniger schoen aus und als kulturbegeisterte junge Dame von Welt war ich ENTSETZT ueber die Zustaende der einmal wunderschoenen Haeuser, die jetzt nur noch heruntergekommen und dreckig waren. Unglaublich und ich wurde richtig wuetend, dass man so etwas tolles und schoenes verkommen lassen konnte.

Der Weg zum Vogelpark schliesslich war zudem leider ein Sandweg, den wir mit einem gemieteten Auto zuruecklegten. Als wir ankamen , waren wir wie nach einem Ritt durch die Wueste mit Staub bedeckt und wollten eigentlich nur duschen.

Leider kann man ja nicht immer alles haben, sodass wir unsere Dusche verschoben und ersteinmal die Voegelchen beobachteten.

Der Vogelpark ist ein riesengrosses, nicht abgesperrtes Terrain mit grossen Seen an denen die Voegel sitzen, nisten und fischen, die wir leider nicht sehen konnte, da unsere Sicht von einem unvorstellbar grossen Schwarm Pelikanen verdeckt wurde.

Mann, sind die Viecher riesig und irgendwann hat man auch genug von ihnen, vor allem ich, wo ich doch gehofft hatte, Flamingos zu sehen. Aber Fehlanzeige: die doofen Pelikane hatten alle Flamingos zu einem weitentfernten See verscheucht, der leider nicht "im Programm enthalten ist", sagte unser Fuehrer. Bloedmann.

Wenigstens erahnen konnte man meine Flamingos aber, denn sie flogen in Schwaermen ueber unsere Koepfe hinweg. Von der Idee, einen Stein zu werfen, war keiner aeusserst angetan.

Dafuer gab es noch weitere Sehenswuerdigkeiten: Krokodile hatten sich aus Versehen am See angesiedelt und lauerten am Ufer auf uns. Meinen Vorschlag, jemanden zu pfern, um zu sehen, wie kraeftig so ein Krokokiefer sein mag, unterstuetzte leider wieder niemand.

Zurueck in St. Louis wollten wir eigentlich noch zum Strand, den wir leider nicht finden konnten. Zudem lockte mich ein anderes Angebot zurueck in Richtung Thies: auf dem Weg hatte ich Korbverkaeuferinnen entdeckt, die ich unbedingt um einiges an Geflecht erleichtern wollte.

Vor etwa zwei Stunden sind wir in Thiès angekommen, ich, mit fuenf oder sechs Koerben, einen fuer Schmuck, einen fuer Zwiebeln, einen fuer Stifte, einen fuer Suppe,... Ihr seht, mir ist jede Ausrede recht, um an meine Koerbe zu kommen.

4.1.09 23:22
 


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