Summer Dreaming
Wie es ist, verlobt zu sein

Ihr werdet es kaum glauben aber bis heute habe ich noch nicht einen Tag hier gearbeitet und langsam nervt es mich wirklich.

Zur Entschaedigung durfte ich heute und  gestern wenigstens an einem Seminar mit dem Titel "Formation des journalistes à l'horizon de 2015", uebersetzt "Ausbildng von Journalisten im Jahre 2015" teilnehmen, das von der KAS nd vom Cesti, einer Journalistenschule, veranstaltet wurde.

Ausser, dass ich die Haelfte der Leute auf Grund ihres krassen Akzents nicht verstanden habe, war es recht interessant und mal wieder eroeffneten sich neue Perspektiven fuer eine Bachelorarbeit. Mein soziales Netzwerk konnte ich heute auch mal wieder ausbauen und so schloss ich Freundschaft mit der Direktorin der Schule und der Vorsitzenden der Journalistengewerkschaft. Zudem lernte ich den oesterreichischen Botschafter kennen und fragte mich, seit wann deutsche Bundeslaender Botschafter entsenden duerfen...

Nachdem der Arbeitstag allerdings schon um 14h beendet war und alle nach Hause fuhren, entschied ich mich, einfach mal allein in die "Stadt" zu fahren.

Ich nahm also ein Car Rapide - worin ich inzwischen fast Profi bin - und fuhr und fuhr und fuhr. An "Ampeln" versuchten mir Haendler alles moegliche anzudrehen, von halben Huehnern bis hin zu pinkglitzernden Schminktaeschchen: Ich setze mich nie wieder ans Fenster!!!

Nach geschaetzten 15 Stunden Fahrt und 2 Kilo eingeatmeten Kohlenstoffdioxid kam ich an einem RIESENGROSSEN Markt an, auf dem ich schon 5 Sekunden nach dem Aussteigen von Haendlern attackiert wurde. Einer lud mich in seinen Laden ein, in dem er tausend haessliche Ketten haengen hatte und pro Kette doch wirklich 10 Euro haben wollte. Hallo? Da kauf ich die doch 100 Mal lieber in good old Gemany und habe sogar schon den Transport bezahlt (wie ich den Zahle, frage ich mich jetzt schon).

Trotzdem gefieelen mir drei der Ketten recht gut und nachdem ich ihm erklaert hatte, dass ich mit allen meinen Freundinnen wieder kommen wuerde und mir seine Nummer fuer den Fall, dass ich ihn nicht mehr wiederfinden koennte, notiert hatte, konnte ich schliesslich drei Ketten fuer 4 Euro erwerben. Gewusst wie, auch im Senegal. Und als ob ich jetzt noch weiss, wo sein Stand war

Tatsaechlich schien ich aber ein Schnaeppchen gemacht zu haben. Bei einem anderen Haendler konnte ich den Preis partout nur auf 6 Euro runterhandeln.

Es ist wirklich verwunderlich zu sehen, was die Senegalesen denken, was wir Europaeer verdienen. Andererseits haben sie wahrscheinlich recht: hier schlaegt sich wahrscheinlich jeder um einen 1Euro Job (geschweige denn, dass es sowas wie Arbeitsbeschaffungsmassnahmen und Hartz4 noch nicht mal ansatzweise gibt).

So unergebig das Shoppen letztlich war, so ermuedender ist es gewesen, sich alle Leute vom Leib zu halten, die eine einsame Weisse umzingeln und "nur helfen wollen".

Am schwierigsten ist es auch, den Leuten zu erklaeren, dass man sich nicht verlaufen hat, sondern tatsaechlich hier WOHNT. Ob es in meinem Haus Reparaturen gaebe und ich deswegen bei Verwandten unterkommen muss, wurde ich schon gefragt. Haha.

Lustig war auch, als ich meiner tiefmuslimischen Gastfamilie gestern Bilder auf meinem Laptop gezeigt habe. Warum ich denn Geld fuer Reisen nach Paris ausgebe und wer denn der Junge auf dem Bild sei, wurde ich ganz missbilligend gefragt.

Tja, seitdem ist Johannes jetzt hier offiziell mein Verlobter, was allerdings sehr verwunderlich ist, da er seine huebsche Verlobte einfach ganz allein in ein fremdes Land schickt.

Nicht, dass ich allein auf diesen Gedanken gekommen sein koennte..

7.1.09 19:50
 


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