Summer Dreaming
"Wenn sie kein Brot haben...

...sollen sie eben Kuchen essen", soll einst die kluge Marie Antoinnette ueber die hungernden Franzosen gesagt haben.

Bisher konnte ich mir ja nicht vorstellen, dass dies tatsaechlich ein halbwegs gebildeter Mensch von sich geben konnte, bis gestern, denn ich ertappte mich, wie ich selbst aehnliches dachte.

Ganz Dakar ist entruestest, denn: es gibt kein Brot mehr! Nachdem innerhalb des letzten Jahres alle Preise, unter anderem der fuer Brot, drastisch gestiegen sind, erklaerte die Regierung einen Preisnachlass auf das teure Weissbrot, dass man hier zu so ziemlich jeder Mahlzeit isst.

Der Brotpreis wurde also gesenkt und alle backten und kauften ihre Baguettes, bis sich nun herausstellte, dass der Mehlpreis nicht sinken wuerde, sondern steigen und die Baecker somit das Brot zu einem Preis verkaufen mussten, der nicht mal die Kosten fuer das Mehl deckte.

Deshalb gibt es seit gestern in der ganzen Stadt kein Brot mehr und eine halbe Stunde der Abendnachrichten wurde auf diesen schlimmen Zustand verwand, wobei auch die Bevoelkerung zu Wort kommen durfte: "Wir koennen nicht mehr fruehstuecken!" schrien die meisten ins Mikro.

Haeh, dachte ich, wenn es kein Brot gibt, dann muss man eben Muesli essen. Typisch europaeich, denn natuerlich gibt es hier kein Muesli und selbst wenn, womit sollte man es essen? Milch wird ohne Kuehlschrank bei solchen Temperaturen innerhalb weniger Stunden schlecht.

Tatsaechlich finde ich aber die Aufregung uebertieben. Es ist ja nicht so, als wuerden jetzt sofort alle verhungern, nur, weil es kein Brot gibt. Da waere ein Reis-Streik doch sehr viel schlimmer, denn der ist wirklich die Basis jeden Essens.

Ich begnuegte mich heute morgen also tatsaechlich mit Kuchen statt Brot, denn der wird - warum auch immer - noch gebacken. Dass trockene Baguette schmeckt mir ohnehin nicht wirklich und ich wuerge ich jedes Mal mehr oder weniger runter - ganz ohne alles, da die Butter nicht so aussieht, als waere sie noch essbar.

Das zweite Highlight in den Nachrichten gestern war uebrigens der Besuch der First Lady in einem Kinderkrankenhaus. Was ich zwar schon gehoert hatte, nun aber mit eignene Augen gesehen habe ist, dass die Frau Wade weiss und Franzoesin ist, was mich, umso laenger ich darueber nachdenke, meher und mehr wundert.

Der gute Herr Wade, Président de la République Sénégalaise, ist naemlich gar nicht so ein guter Herr, sondern versucht mehr und mehr, Demokratie und freie Marktwirtschaft zu untergraben. Zur Zeit versucht er, seinen Sohn als Nachfolger zu etablieren - ganz ohne Wahlen versteht sich. Ein Thema, zudem der Onkel meiner senegalesischen Gastfamilie einen Artikel in einer bekannten Tageszeitung geschrieben hat - unter falschem Namen natuerlich, da das ganze sonst zu gefaehrlich werden koennte.

Komisch, dass eine Franzoesin, deren Vaterland ja quasi das Mutterland von égalité, fraternité und liberté ist, ihrem Mann nicht mal gehoerig die Meinung sagt. Ich denke nur daran, wie ich meinem "Verlobten" die Ohren lang ziehen wuerde, wenn der sich ploetzlich zum Diktator aufschwingen wuerde. Tze.

Tja, mit Senegal scheint es bergab zu gehen, zumindest ist es das, was mir hier alle halbwegs vernuenftig aussehenden Menschen erzaehlen. Umso wichtiger also, noch schnell die besten Sehenswuerdigkeiten des Landes zu erkunden.

Heute geht es zur Ile de Ngor, eine Insel, die etwa 1km vor Dakar liegt mit Strand und Meer und Sonne und Braunwerden. Wie viel Grad sind noch mal in Deutschland?

11.1.09 13:43
 


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