Summer Dreaming
Nichts neues

Warum auch immer - seit meiner Rückkehr gibt es nichts neues.

Ich sitze hier in der Stiftung und erledige mal hier und mal da ein paar Aufgaben, auch, wenn ich zugeben muss, die größeren in die nahe Zukunft verlegt zu haben, da ich teilweise noch nicht genau weiß, was ich davon halten soll.

Gestern bekam ich zum Beispiel die Aufgabe, mir ein Programm für eines der Stipendiatentreffen zum Thema 'Elitenbildung und ihr Beitrag zur Demokratisierung' "auszudenken". Zunächst einmal habe ich schon allein was deutsche Eliten anbelangt keine Ahnung - von senegalesischer Elite habe ich noch nicht mal was gehört. Gibt es so etwas überhaupt hier? 

Das heißt, eine Aufgabe, die einen der Mitarbeiter hier vielleicht eine Stunde Aufwand kosten würde, kostet mich etwa drei Tage Recherche: Ich habe keine Ahnung, was in so ein Seminar reingehört, keine Ahnung von diesem Land, keine Ahnung, was ich machen muss und kann: "Zeigen Sie uns einfach, was Sie können", meinte der Chef. 

Morgen findet mal wieder ein Seminar statt - wofür ich ein kurzes Grußwort verfassen soll. Ich habe keine Ahnung, was das für ein Seminar ist, was da für Leute sitzen, worum es geht, was überhaupt in ein Grußwort reingehört - dafür aber das dumpfe Gefühl, dass der Herr Auslandsreferent es selbst nicht weiß und die Aufgabe deshalb auf mich abgewälzt hat.

Überhaupt finde ich ihn reichlich pessimistisch: Unser Seminar "Frauen an die Urnen" findet er jedenfalls langweilig. Es sei schließlich nicht die Aufgabe der KAS, Leute, die noch nicht mal lesen und schreiben können, über ihre Rechte zu unterrichten. Und überhaupt, als ob es was bringen würde und die Frauen nicht sowieso nach Hause kommen und alles seinen alten Gang geht.

Mit letzterem hat er wahrscheinlich Recht. Vorgestern rief ein Mann von einer der Frauen an, die am Wochenende in Dindefelo am Seminar teilgenommen haben.

Wieso seine Frau denn nur so wenig Geld dafür bekommen habe, fragte er. Eigentlich wollte er wissen, warum ER nur so wenig Geld dafür bekommen habe, dass er seine Frau hat dorthin gehen lassen. Ute sagte ihm, dass die Frauen eigentlich gar kein Geld von uns bekommen würden, das ganze sei schließlich freiwillig. 

Kurz gesagt: Obwohl die Frau keinen Cent von uns bekommen hat, hat sie ihrem Mann Geld mitgebracht, damit der sie vielleicht auch in Zukunft zu solchen oder ähnlichen Seminaren gehen lässt.

An Geld mangelt es hier ja jedem. Gestern kam ein senegalesischer Stipendiat der Stiftung vorbei und beschwerte sich über die Kürzung der monatlichen Stipendiumsgelder. Statt über 200 Euro erhalten die Stipendiaten nun nur noch etwa 140 Euro - für die Verhältnisse hier trotzdem eine Traumsumme. Plötzlich klingelte sein Telefon. Der Herr Stipendiat nahm ab und erklärte seinem Gesprächspartner, dass er gerade in einem Gespräch sei, er aber gern auch einen Platz im Restaurant reserviert bekommen hätte und gleich mit dem Taxi kommen würde. Bei so einem Lebensstil ist es natürlich kein Wunder, dass eine Kürzung der Gelder ungelegen kommt.

Gestern abend hatte ich mal wieder Besuch von Malick, dem Journalisten aus meiner Gastfamilie, dem ich auch die Miete gebe. Vor meiner Ankunft sagte man mir, dass mein Zimmer 250 Euro kosten würde. Unglaublich teuer.

Ich fragte also nochmal nach der genauen Miete. Ob ich denn ein Stipendium hätte, fragte er. Nein, meinte ich ganz geknickt, ein zur Zeit sehr wunder Punkt bei mir. Na gut, sagte er dann freundschaftlich, dann gibst du mir nur 150 Euro Miete. Ja, auch als Nichtstipendiat hat man manchmal Vorteile.

22.1.09 14:14
 


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