Summer Dreaming
L'Óle des esclaves

Ja, das Wochenende bringt mal wieder schreibenswerte Neuigkeiten.

Nachdem ich meinen Samstagvormittag auf dem Markt verbracht habe und etwa 50 Euro ausgegeben habe - was hier ziemlich schwer ist - war ich abends zu einer "Party" eingeladen.

Vera, eine Praktikantin beim Wetterdienst, mit der ich mich am Samstag zum ersten Mal getroffen habe, pflegt nämlich Kontakte zu so gut wie jedem Ausländer in Dakar. Zwei von ihnen sind gestern zurück nach good old Europe geflogen und wollten es Samstagabend nochmal krachen lassen.

Schade nur, dass ich aus dem Partyalter raus bin. 

Ich schlug Vera also vor, dass ich mit ihr vorher gern noch was trinken geh, aber auf die Party nicht mitkomme. Gesagt getan und zufällig war sie bei ihrem guten bekannten Ibo, der ein Café Touba führt und damit "sehr viel Geld macht", eingeladen.

Außenweltler wie ich bin wissen natürlich nicht, was ein Café Touba ist und so erwartete ich ein nettes Café oder zumindest einen Raum mit Stühlen und Tischen. 

Tatsächlich handelte es sich um einen blau angestrichenen Metallkasten, in dem maximal zwei Personen Platz haben - ein Straßenstand, der angeblich eine Goldmine sein soll. 

Ich fühlte mich jedenfalls wie damals mit 14, als man noch kein eigenes Heim hatte und deswegen auf der Straße, auf dem Spielplatz oder sonst wo saß und sich mit Freunden die Zeit vertrieb. Und ich hatte Samstagabende VIELE neue Freunde, die mich alle unglaublich gern in Deutschland besuchen kommen wollten.

"Deutschland ist gar nicht so toll, darum bin ich ja jetzt im Senegal", meinte ich irgendwann nur noch, weil ich Angst hatte, für eine Einwandererwelle aus dem Senegal verantwortlich gemacht zu werden. 

Gegen 23h bin ich dann schnell wiedr nach Hause und hatte, so ganz allein im Taxi, ziemlich Angst, überfallen und ausgeraubt zu werden.

Ich lag dann aber dann relativ schnell im Bettchen - am Sonntag musste ich früh aufstehen, zur Stiftung fahren, meine Hausarbeit schreiben und dann schnell zum Bootsanleger für die Ile de Gorée, die Insel der Sklaven, mal wieder Weltkulturerbe  und ein Muss auf meinem Kulturspeiseplan.

Da ich eigentlich Fatou, meiner Gastschwester, versprochen hatte, mit ihr auf die Insel zu fahren, musste das ganze natürlich inkognito passieren.

Sicher hätte ich Fatou auch einfach mitnehmen können, aber nachdem ich herausgefunden hatte, dass sie schon einmal dortgewesen ist, nämlich mit meiner Vorgängerpraktikantin, die ihr den ganzen Ausflug gezahlt hatte, und ich die Preise für die Überfahrt entdeckt hatte, entschied ich mich ganz schnell gegen die gute. Geiz ist geil.

Ganze fünfzehn Euro kostete mich die Fahrt und der Aufenthalt auf der Insel inklusive Museen, Kurtaxen und was man als Tourist noch so bezahlen muss. Abzocke vom feinsten und bis gestern wusste ich gar nicht, dass in Dakar so viele Weiße leben - aber klar, die sieht man ja auch nicht, sind ja alle auf dem Boot, das einen zur Insel rüberschippert.

Die Insel jedenfalls ist klein aber richtig fein und vollgebaut bis in die hintersten Winkel und ein Anblick wie St. Tropez: bunte Kolonialbauten, grüne Bäume, ruhige Straßen, einfach wunderschön und fast vergisst man, was sich grauenvolles auf ihr abgespielt hat.

Bis zum Jahr 1848 wurden von hier aus die Sklaven nach Amerika verschifft. Dokumentiert wird dies vor allem im Maison des Esclaves, im Sklavenhaus, das die Sklaven vor ihrer "Abreise" passieren mussten und indem sie in kleinen Verließen auf die Schiffe warten mussten, in denen sie auf dem Meer zum Großteil dahinsiechten.

So schrecklich diese Geschichte auch ist, sich in die richtige Stimmung zu versetzen, ist im Sklavenhaus fast unmöglich - es ist die einzig wirkliche Sehenswürdigkeit des Senegals und wirklich weltbekannt.

Am bekanntesten ist wohl la porte sans retour, die Tür ohne Wiederkehr, die gegenüber vom Eingang des Hauses durch einen dunklen Gang hinaus aufs Meer zeigt - bevor die Sklaven im Bauch der Schiffe verschwanden, durften sie noch ein letztes Mal so weit schauen, wie das Auge reicht, bis zum Horizont. Man sagt, dass keiner der Sklaven, der durch diese Tür getreten wurde, jeh wieder zurückgekommen ist.

Ich habe also gelernt, dass über 11 Millionen Sklaven insgesamt verschifft worden sind und weitere zig Millionen umgebracht wurden. Ich frage mich, warum eigentlich nur die Deutschen einen so schlechten Ruf im Ausland haben...

 

26.1.09 21:18
 


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