Summer Dreaming
In der Uni

In neun Tagen fliege ich schon wieder nach Hause – eine Zahl, die man schon ausschreiben muss und nicht mehr nur als Ziffer hinstellen kann.
Und wenn ich auch von manchen Eigenarten der Senegalesen genervt bin – zum Beispiel davon, dass sie den Schnodder in ihrer Nase so laut hochziehen, dass einem als Zuhörer nur schlecht wird – fühle ich mich doch schon fast wie zu Hause.
Die nächsten Tage, die vollgestopft sind mit Einladungen zu allen möglichen Menschen, werde ich also noch einmal genießen, genauso wie die Sonne und den Strand, an dem ich heute Abend den Sonnenuntergang bewundern werde.

Gestern habe ich es schließlich endlich auch mal geschafft, der Einladung eines KAS-Stipendiaten zu folgen und ihn auf dem Unicampus in seinem Zimmerchen zu besuchen.
Die Uni hier ist riesig – aber vor allem überfüllt. Konstruiert für 15 000, sind zur Zeit 60 000 Studenten eingeschrieben, die Hörsäle sind so voll, dass die Leute teilweise nicht mehr reinpassen, in den Zweibettzimmern der Wohnheime schlafen sechs Personen – und immer mehr Abiturienten wollen sich einschreiben und können nicht – und stürmen deswegen die Veranstaltungen, an denen sie nicht teilnehmen dürfen. Immerhin ist das Gelände riesig – eine Stadt in der Stadt, mit Läden und Restaurants, Mensen, Wohnheimen, Hörsälen.
Da ich noch nichts gegessen hatte, schlug ich vor, doch mal einen Happen in der Mensa zu uns zu nehmen. Alle schauten mich schockiert an: das würde mein Magen sicher nicht vertragen und mein Geschmackssinn erst Recht nicht. ‚So schlimm kann es ja nicht sein’, meinte ich und dachte an unsere Mensa in Mannheim. Und schon stand ich in der Schlange für das einzige Menü, das zur Wahl stand: Couscous mit Fleischsauce auf einem alten Blechtablett, dazu ein Stück aufgeweichtes Baguette – was für ein Festmahl – wenn man gern Sand isst, denn genauso schmeckte der Couscous, und dazu auch gern einen Tropfen Chlor-Sauce mit Fettklumpen mag – so schmeckte die Sauce, die ganz offensichtlich zu 99% aus Leitungswasser und zu einem Prozent aus Fett bestand.
Nach wenigen Löffeln war ich „satt“, nachdem mir auf dem Weg nach draußen eine riesen Kakerlake über den Weg gelaufen war, auch restlos satt. 
Als ich nach Hause kam und meinem Haus-Philosophen, ein Mitglied der Familie, das scheinbar Literatur studiert hat und mich ständig vollphilosophiert, von meinen Eindrücken vom Campus erzählte, schien er ziemlich aufgebracht. ‚Wir sind ja auch kein Land wie Deutschland, sondern ein Dritte-Welt-Land, ist ja klar, dass das hier so aussieht’. Wieder eine Eigenschaft an den Senegalesen (oder Afrikanern?), von der ich genug habe: Für alles immer eine Entschuldigung zu haben.



11.2.09 14:20
 


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